5. Februar 2010

korea und ihre wuensche

fruehmorgens um kurz vor 9 sah christina auf ihrem weg in die arbeit mit vom schlaf noch zugeschwollenen augen eine anzeige fuer die sogenannte 'double-eyelid-surgery'. sehr populaer in korea, bis zu 30% der college studenten sollen angeblich lt. korean times schon solch eine 'westernisation' hinter sich haben.
in dieser speziellen anzeige sieht man ein vorher nachher foto - zuerst unvorteilhaftest, ungeschminkt, danach wunderbar grosse augen mit einer doppelter, westlicher augenfalte - und der groesste teil praesentiert die gleiche frau im traumbrautkleid, strahlenst auf ihren zukuenftigen ehemann wartend!
PROPOSE!

da wundert man sich auch nicht mehr ueber die gruende der koreanerinnen sich plastisch verschoenern zu lassen:
platz 1 und mit abstand - um ENDLICH den zukuenftigen gatten zu finden
platz 2 und 3 weit abgeschlagen - selbstzufriedenheit und koerperliche makel beseitigen

weniger serioese unternehmen werben mit -
2 schwestern zum preis von einer!
oder hausbesuchen a la ossteirischer frisoesen. bleibt nur noch zu pruefen ob sie auch das selbe steuerabgabesystem verfolgen ;)

also schoenheit und auesserlichkeiten scheinen hier einen grossen teil des lebens zu vereinnahmen. der rest wird meist mit shopping gefuellt. obwohl sich hier - wie sicherlich schon erwaehnt - im vergleich zu oesterreich - bei allem respekt - ueberdurchschnittlich viele der werbung bemassstabt huebsche menschen bewegen, ist der wunsch nach mehr und noch mehr schoenheit ungebrochen. bemerkbar an riesenschneewittchenspiegeln die in der ubahn auch aus der kleinsten tasche ausgepackt werden, oder an frauen die sich einfach minutenlang ohne eingriffe im spiegel bewundern.

damit scheint korea einmal mehr dem japanischen vorbild zu folgen, die in letzter zeit immer wieder mit arbeitsverweigernder jugend (v.a. maennern) fuer schlagzeilen sorgen, die sich nur mehr mode, styling und shopping als ziel setzen. moeglicherweise in reaktion auf die aussichtslosen arbeitsjahre, die ihnen noch bevorstehen, und die generell unsicherer werdenden zukunft. die bevoelkerung ist zwar noch wesentlich juenger als jene in japan (aelteste bevoelkerung weltweit) trotzdem wird mit einer erstmals niedrigeren geburtenrate kraeftig aufgeholt.
ganz kurz noch einige interessante unterschiede zu oesterreich: in japan gibts betriebswirtschaftlich gesehen das j-management. das besdeutet, das ein junger arbeiter oder angestellter ein leben lang bei der gleichen firma bleibt, die ihm auch seine wohnung oder haus, sein auto und spaeter natuerlich auch seine pension bezahlt. ein jobwechsel ist also mit riesigem aufwand verbunden, der fast nie in kauf genommen wird. mehr oder weinger wird die gesamtbevoelkerung somit lebenslang gebunden und strukturiert. das problem, das die immer aelter werdende bevoelkerung mit sich bringt besteht vor allem in der hohen jugendarbeitslosigkeit, da pensionisten nach ihrem regulaeren job einer weiteren taetigkeit nachgehen und von professionellen arbeitsvermittlern bereits bei ihrer pensionierung angeworben werden. zur gleichen zeit gibt es extremen mangel an pflegepersonal, vor allem in den laendlicheren gebieten (welche fast nicht mehr existieren). im unterschied zu oesterreich wird darauf nicht mit illegaler beschaeftigung sondern mit, klischebedingt, roboterbau reagiert.
natuerlich muss es dann in korea das k-management geben! weil eigenltich will man sich nichts abschauen aus dem osten ;). und da liegt das problem - oder in zukunft vielleicht die chance. ein aehnlich unflexibles system wie das japanische, das aber nicht mit den selben sicherheiten(in japan heute vielleicht auch nicht mehr) gedeckt ist. daher muss es laut experten einen bruch des systems geben, damit korea konkurenzfaehig bleibt - vor allem in anbetracht der immer schneller und groesser werdenden chinesischen wirtschaftsmacht. die strenge hierachie, unter der gearbeitet bzw. gelitten wird, muss durch vernetztes schnelleres querarbeiten abgeloest werden. dass das nicht so ganz einfach umzusetzen ist, ist auch durch das sehr wichtige beziehungskatell hier erschwert. und auch wenn viele wollen, fehlt der letzte mutige schritt.
gemeinschaftssinn stehen trotz hierachie ganz oben auf der liste, die alten konfuzianischen werte, die eigentlich nicht wirklich mit dem, uns bekannten, individualistischen kapitalismus funktionieren. oder doch? wenn man die bemerkenswerte erfolgsgeschichte koreas - auch als wunder am han bekannt, genauer betrachtet, faellt erstens auf, dass die erfolgreichen riesenkonglomerate wie lg, samsung und hyundai, bereits unter japanischer herrschaft gegruendet wurden und somit alle handelsvorteile genossen, und zweitens, dass der grosse wirtschaftliche aufschwung in korea, aehnlich wie heute noch in singapur, unter autoritaerer hand erfolgten. ohne meinungs - oder pressefreiheit, ohne grundrechte, die es eigenltich nach der befreiung 1945 haette geben sollen. alle ressourcen des landes wurden auf eine stadt, bzw eine industrie gelenkt. seoul und metall. posco ist heute einer der groessten stahlerzeuger weltweit. als folge verarmte die landbevoelkerung voellig. bis zu den 1990ern wurde hier ohne traktoren, ohne fliessendes wasser, ohne strom gearbeitet und gelebt. die entwicklung, die in westeuropa mit der auklaerung, die industrialisierung etc. hunderte jahre dauerte, hatte hier gerade einmal 30 jahre zeit. eine wirklich bewundernswerte geschichte, der in kuerze ein wechsel bevorsteht.

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